Zerstörung im Krieg

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Die Städte des Feindes hatte Hitler an 1940 „ausradieren“ wollen. Doch dann kam sein Vernichtungskrieg zurück in die Stadt, von der aus er ihn begonnen hatte. Vor allem ein Großangriff hatte fürchterliche Folgen.

Berlins Innenstadt war 1940/41 und erneut seit 1943 ein Hauptziel alliierter Bomber. Deren Genauigkeit war so gering, dass ein Treffer im Umkreis von einem Kilometer um das Ziel als Erfolg verbucht wurde. Die Medien, längst zentral aus dem Reichspropagandaministerium am westlichen Rand des Zeitungsviertels gelenkt, waren nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das Lagersystem des Dritten Reiches hatte in der Lindenstraße 62 eine „Filiale“: 1942 bestand hier eine Unterkunft für ausländische Arbeitskräfte, knapp 70 insgesamt, vor allem aus den Niederlanden und Kroatien. Sie arbeiteten für die Lufthansa.

Zeitungsviertel

Ein amerikanischer B-17-Bomber über Kreuzberg


Zwar hatte es immer wieder Zufallstreffer gegeben, doch ausgerechnet das Propagandazentrum des Dritten Reiches blieb bis Anfang 1945 von schweren Schäden verschont. Das änderte sich am 3. Februar 1945. Um 10.27 Uhr heulten die Sirenen, zwölf Minuten später war klar, dass der Reichshauptstadt eine Höllenfahrt bevorstand: Weit über tausend US-Flugzeuge blinkten auf den Radarschirmen der Berliner Luftverteidigung. Angegriffen wurden das Regierungs-, Zeitungs- und das Exportviertel weiter östlich, in dem viele kleine Betriebe für die Rüstungsindustrie Bauteile herstellten. Die Journalistin und Hitler-Gegnerin Ursula von Kardorff, die wegen des politischen Drucks in die Feuilleton-Redaktion der Deutschen Allgemeinen Zeitung ausgewichen war, notierte: „Heute der schwerste Angriff auf die Innenstadt, den es je gegeben hat. Dass eine Steigerung überhaupt noch möglich war, hätte ich nicht gedacht.“

„Heute der schwerste Angriff auf die Innenstadt, den es je gegeben hat. Dass eine Steigerung überhaupt noch möglich war, hätte ich nicht gedacht.“Ursula von Kardorff

Fast 3000 Menschen starben, alle drei Großverlage wurden zerstört, mehr als tausend weitere Häuser mindestens schwer beschädigt. Zwischen Jerusalemer, Schützen-, Linden und Zimmerstraße war kein Haus mehr benutzbar. Vermutlich rettete der 1940 verstärkte öffentliche Luftschutzraum im Keller der Schützenstraße 26 vielen Menschen das Leben.

Das durch einen Luftangriff zerstörte Gebäude des Scherl-Verlages in der Jerusalemer Straße im Juli 1944. Foto: Bundesarchiv Bild 183-J30142


Autor
Sven Felix Kellerhoff

Sven Felix Kellerhoff

Ltd. Redakteur Geschichte WELT | Kontakt

Autor
Hans-Wilhelm Saure

Hans-Wilhelm Saure

BILD-Chefreporter | Kontakt


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