Die NS-Zeit

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Die großen Berliner Zeitungen hatten mit Hitlers Triumph 1933 nicht gerechnet – entsprechend hilflos reagierten die Redaktionen. Die Folgen der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden rasch spürbar.

Nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 beruhigte die Berliner Morgenpost aus dem Ullstein-Verlag ihre Leser und sich selbst: „Wir werden uns durch nichts provozieren lassen, und empfehlen allen, die von diesem Regierungswechsel nicht erbaut sind, das Gleiche zu tun.“ Eine fatale Fehleinschätzung, wie zuerst Kommunisten und jüdische Geschäftsleute zu spüren bekamen: Massenverhaftungen und Boykottmaßnahmen schüchterten NSDAP-Skeptiker ein; „arische“ Opportunisten nutzten die Gelegenheit, Karriere zu machen und sich selbst zu bereichern. Die einst so stolzen Redaktionen schalteten sich selbst gleich; Hitler-Gegner wurden verdrängt oder zur Flucht aus Deutschland gezwungen.

Zeitungsviertel

Vossische Zeitung (für ein PDF hier klicken)


Ein halbes Jahr nach der Machtübernahme erinnerte nicht mehr viel an das vorherige Leben im selbstbewussten Zeitungsviertel. Wer irgend konnte, bemühte sich um den Eintritt in eine Organisation der Hitler-Bewegung. Hakenkreuze wurden in rasendem Tempo zum wichtigsten Symbol dieses „neuen“ Deutschlands, hingen an den Fassaden der Häuser. Nach und nach verleibte sich die NSDAP-Presseholding die meisten unabhängigen Verlage ein. Trotzdem glaubten viele vollkommen integrierte, bürgerliche Juden, es werde nicht so schlimm kommen wie von der Goebbels-Propaganda verkündet. Ein Irrtum.

Leichner-Haus mit Hakenkreuz-Fahnen

Autor
Sven Felix Kellerhoff

Sven Felix Kellerhoff

Ltd. Redakteur Geschichte WELT | Kontakt

Autor
Hans-Wilhelm Saure

Hans-Wilhelm Saure

BILD-Chefreporter | Kontakt


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