Die 68er-Unruhen

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Ab 1966 fand sich der Verlag Axel Springers überraschend in einer neuen Rolle wieder: als Feindbild einer kleinen Gruppe linker Studenten. Es folgten gut zwei Jahre voller heftiger Auseinandersetzungen.

Als im Oktober 1966 das goldfarbene Hochhaus des Axel-Springer-Verlags an der Kochstraße eröffnet wurde, galt das größte deutsche Zeitungsunternehmen als Vorzeigebetrieb in der geteilten Stadt. In den kommenden zwei Jahren jedoch wandelte sich dieses Bild stark und in manchen Kreisen total: Der Verlag wurde vor allem für Linke zum Feindbild, der Garant der Meinungsfreiheit erschien auf einmal als finsterer Monopolist, der das West-Berliner Publikum manipuliere.

Der schlagartige Imagewandel war zumindest teilweise eine Folge von Propaganda aus der DDR: Nachdem jahrelang die Vorwürfe aus Ost-Berlin abgeglitten waren, schienen nun viele bereit, daran zu glauben. Der Ton zwischen der kleinen, in West-Berlin kaum ein Promille der Bevölkerung umfassenden Studentenbewegung wurde schärfer. Als der West-Berliner Polizist und Stasi-Spitzel Karl-Heinz Kurras am 2. Juni 1967 den Demonstranten Benno Ohnesorg erschoss, eskalierte die Situation.

Demonstration vor dem Axel Springer Verlag in Berlin nach dem Attentat auf Rudi Dutschke: die Feuerwehr löscht brennende Fahrzeuge des Fuhrparks, die von Demonstranten angezündet wurden – 11.04.1968, (c) ullsteinbild


Zu fast bürgerkriegsähnlichen Zuständen kam es am Gründonnerstag 1968. Ein Rechtsextremist hatte den Studentenführer Rudi Dutschke niedergeschossen. Der linksextreme Anwalt Horst Mahler und andere Dutschke-Freunde regten an, als „Konsequenz“ das Verlagshaus von Axel Springer zu stürmen. Doch die Mitarbeiter wollten nicht kampflos dem Mob nachgeben – sie bereiteten sich wie Jürgen Bauske und Wolf-Dieter Herklotz mit Wasserschläuchen und Gummi-Walzen darauf vor, ihre Arbeitsplätze zu verteidigen. Die Polizei reagierte hilflos. Lieferwagen wurden in Brand gesetzt, zahlreiche Fenster gingen zu Bruch, doch zur Schlacht kam es zwischen linken Studenten und Angestellten des Verlags glücklicherweise nicht. 1968 ging vorüber, doch seither hängt dem liberalen Verlag vor allem bei Linken ein schlechter Ruf an.

Autor
Sven Felix Kellerhoff

Sven Felix Kellerhoff

Ltd. Redakteur Geschichte WELT | Kontakt

Autor
Hans-Wilhelm Saure

Hans-Wilhelm Saure

BILD-Chefreporter | Kontakt


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