Endspurt für den Axel-Springer-Neubau

Anne Uhlemann Allgemein

Erhaben sieht er aus. Gelassen. Ruhig. Tagsüber spiegeln sich die Sonne und die vorbeiziehenden Wolken in seiner imposanten verschachtelten Atriumsfassade. Nachts liegt er da wie ein großer dunkler Riese. Merkwürdig ruhig wirkt der Axel-Springer-Neubau, der neue Architektur-Star im Kiez in Berlin-Mitte in diesen Tagen. Gar nichts los hier, fragt sich vielleicht der eine oder andere arglose Passant.

Processed With Darkroom
An der Außenfassade sind die Arbeiten am Neubau bereits fast abgeschlossen© Stephan Sönksen

Dabei verbirgt die Fassade des Neubaus nur zu gut die große Betriebsamkeit im Inneren des Gebäudes. Bis zu 800 Bauarbeiter sind aktuell täglich und gleichzeitig auf der Baustelle, um den Innenausbau in den zwei unterirdischen und elf oberirdischen Etagen zum Abschluss zu bringen. Kilometerlange lilafarbene IT-Kabel werden verlegt, Deckenverkleidungen und Türen eingesetzt, Fußböden eingepasst. Wände für Konferenzräume werden eingezogen, Fahrstühle in Betrieb genommen, und Schritt für Schritt verschwinden die Gerüste im Inneren und geben nach und nach den Blick auf das bis zu 45 Meter hohe Atrium frei.

Umzugsvorbereitungen auf Hochtouren

Auch wenn angesichts der lärmenden Baumaschinen an kreatives oder konzentriertes Arbeiten noch nicht zu denken ist, laufen die Umzugsvorbereitungen auf Hochtouren. In weniger als einem Jahr werden die meisten Kolleginnen und Kollegen, die künftig im Neubau arbeiten, bereits eingezogen sein. Dann entstehen im Newsroom im 5. Stock auf der sogenannten „WELT-Brücke“, die das Atrium überspannt, die Print- und Online-Ausgaben der WELT, dann sendet WELT aus zwei großen TV-Studios. Die Vermarktungsideen der Media-Impact-Kollegen werden im ersten Obergeschoss erdacht, neue Digitalprodukte von SPRING im zweiten Obergeschoss entwickelt und neue Funktionalitäten für das Preisvergleichsportal idealo unter dem Dach ersonnen.

Swipe_Grafiken_foyer
Das Foyer im Erdgeschoss lädt mit gastronomischen Einheiten und gemütlichen Sitzmöbeln zum Austausch und Verweilen ein© Axel Springer SE

Was jeder einmal „im Kleinen“ bei einem privaten Umzug organisieren musste, beschäftigt bis dahin das Projektteam und die einziehenden Bereiche in ungleich größerem Maßstab: Welches IT-Equipment wird gebraucht? Wie sehen die Beschilderungen aus? Was bekomme ich wo zu essen, wie werden die gastronomischen Einheiten eingerichtet, wo kann ich mir selbst einen Kaffee oder Tee kochen? Wo sollen Schreibtische stehen, wo Flächen zum kollaborativen und agilen Arbeiten einladen – und überhaupt: Welches Team bekommt auf welcher Etage welchen Bereich?

Swipe_Grafiken_co-working
Öfter mal was Neues: Mobiles Arbeiten wird im Axel-Springer-Neubau großgeschrieben – zum Beispiel im Co-Working-Bereich im ersten Obergeschoss (c) Axel Springer SE

Die Feinplanung der Flächen haben mittlerweile fast alle Bereiche abgeschlossen – und damit eine Aufgabe, die trivialer klingt, als sie ist. Zum einen, weil der Neubau mit seinen Terrassen und dem großen Atrium keine konventionellen Büroflächen bietet. „Normale Büroflächen sind wie Schuhkartons. Quadratisch, praktisch, gut“, so Andreas Ludwigs, Geschäftsführer von Services & Immobilien. Es sei deswegen interessant gewesen, zu sehen, wie Bereiche für dreieckige oder sehr offene Flächen geplant hätten. Schon dabei habe die Architektur dazu angeregt, intensiv über die Art des Arbeitens nachzudenken. „Der Neubau ist für uns ein Aufbruch, der die Möglichkeit bietet, auch unsere Prozesse neu zu gestalten“, bestätigt Lisa Rose, eine der beiden Projektleiterinnen für den Umzug bei Media Impact. Und auch das Team von People & Culture hat sich zunächst intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man arbeiten will, bevor es darum ging, wer wo arbeiten wird. So gebe es neben Bereichen für stilles Arbeiten oder flexiblen Schreibtischinseln vor allem auch eine große Kooperationsfläche mit Begegnungs-, Meeting- und Besprechungsmöglichkeiten.

1920_Foto2
Kann man auf einem „Donut“ arbeiten? Architekt Rem Koolhaas(3. v. r.) und Mathias Döpfner (2. v. r.) beim Test möglicher Möbel für den Neubau (c) Eike Mitte

Doch mit welchen Möbeln stattet man diese schöne neue Arbeitswelt aus? Jeder, der schon einmal eine WG möbliert oder mit seinem Partner einen eigenen Hausstand begründet hat, weiß, dass die Auswahl des „richtigen“ Küchensofas oder einer „schönen“ Leselampe emotionalen Sprengstoff bergen kann. Was für den einen der beste Schreibtischstuhl der Welt sein mag, ist für den anderen der größte anzunehmende ästhetische Affront. Und überhaupt, diese Wohnzimmerstühle: Schreee-ecklich! Um die neue Kiez-WG nicht gleich an Möbelfragen scheitern zu lassen, wurden die Axel-Springer-Mitarbeiter mit einbezogen und konnten Ende Juni für einige Tage die neuen Möbel im ehemaligen TV-Studio in der Axel-Springer-Passage testen und bewerten.

Arbeiten und wohlfühlen

Neben der Funktionalität von Schreibtischen, Meeting Pods und Stühlen wollte das Projektteam wissen, welche Möbel als angenehm und bequem empfunden werden, welche als praktisch und vor allem – welche die Mitarbeiter gern selbst für ihren Bereich hätten. Auch der Architekt des Axel-Springer-Neubaus, Rem Koolhaas, und der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner saßen bereits Probe und ließen sich erläutern, welche Möbel gut ankamen und welchen die zukünftigen Neubau-„Bewohner“ kritisch gegenüberstanden. Denn eines eint alle am Projekt Beteiligten: Auch wenn die nächsten Monaten vor dem Umzug hektisch werden – am Ende sollen die bis zu 3500 Kolleginnen und Kollegen der Axel-Springer-Familie, die in den Neubau ziehen, gut arbeiten können und sich wohlfühlen.

Swipe_Grafiken_quer_3
Konzentriertes Arbeiten: an einem Konzept oder an einer Präsentation sind im Neubau natürlich auch an klassischen Schreibtischarbeitsplätzen möglich © Axel Springer SE 
Rückzugsorte: Akustisch gedämpfte „Meeting Pods“ bieten die Möglichkeit, sich unkompliziert zu kurzen Besprechungen oder Brainstormings zurückzuziehen © Axel Springer SE
Swipe_Grafiken_quer_1
Ungewöhnliches: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, wusste schon der französische Schriftsteller Francis Picabia. Neben klassischen Schreibtischen und Konferenzräumen wird der Neubau deswegen auch ungewöhnliche Möbel für Meetings und Kreativarbeit bieten © Axel Springer SE
Uhlemann
Anne Uhlemann

Leiterin Veränderungs- und Integrationskommunikation

Familie ist DAS Thema für Anne Uhlemann. Wacht sie privat beinahe religiös über die Traditionen in der Verwandtschaft, so machen ihr beruflich die spannenden Geschichten und Charakterköpfe in der Axel-Springer-Familie am meisten Spaß.